Kein guter Eindruck vom neuen Jobcenter

Aachen. Im neuen Jobcentergebäude wurde der Betrieb teilweise aufgenommen. Die ersten Besucher, mit denen ich heute dort sprach, zeigten sich enttäuscht.

Kritisiert wurde, dass jetzt auch für Termine beim Fallmanager oder Arbeitermittler im also nur räumlich! großzügigen Eingangsbereich schriftliche Einladungen verlangt werden. Bisher war dies nur in dem nun bald wegfallenden Gebäude der Leistungsabteilung so.

Der Sicherheitsdienst hat seinen Stand mitten im großen Eingangsbereich. Sobald nun Menschen auf einen der Aufzüge zugehen, werden sie von diesen Sicherheitsleuten aufgehalten und aufgefordert, eine schriftliche Einladung vorzuweisen. Haben sie eine solche nicht, ist der Sicherheitsdienst angewiesen, sie nicht ins Gebäude zu lassen. Aufgrund von Überlastung ist es außer in ausdrücklichen Notfällen während der s.g. Notfallsprechstunde so gut wie ausgeschlossen, überhaupt einen Termin in der Leistungsabteilung zu bekommen, bzw. überhaupt seinen Leistungssachbearbeiter oder Fallmanager persönlich oder telefonisch zu erreichen. Auch Fallmanager leiten ankommende Telefongespräche einfach an ein Callcenter in Duisburg weiter. Der Staat schottet sich vor seinen Bürgern ab. So etwas dürfte es in einer Demokratie nicht geben.

Noch bei der Schlüsselübergabe versprachen die Verantwortlichen gegenüber der Presse, dass das neue Jobcenter ein offenes Haus werden würde. Jobcenter-Geschäftsführer Graaf selbst äußerte sich dem Joycenter.net gegenüber dahingehend, dass es im neuen Gebäude eher so zugehen solle, wie im Gebäude der Arbeitsagentur, dass also ein ungehinderter Zugang möglich sein soll. Tja. Das war wohl nichts.

Eine Behörde, die den Bürgerzugang filtert, ist ein weiteres Stück Exklusion von Hartz-Berechtigten. Statt etwas mehr Inklusion werden — auch eben im Vergleich mit der Arbeitsagentuer — SGB2-Bezieher wie Bürger dritter Klassse behandelt.

Allerdings beklagte der Sicherheitsdienst auch bereits die ersten Vorkommnisse im neuen Gebäude. Gestern seien mehrere Kunden aggressiv geworden und der Sicherheitsdienst hätte einschreiten müssen. Meine Position bleibt unverändert: Ich fordere für die Sicherheit der Kunden und Mitarbeiter eine Sicherheitsschleuse, ähnlich den Gerichtsgebäuden, aber ungehinderten Zugang für jeden Bürger.

Auch eine Kantine für Mitarbeiter und Kunden fehlt. Die Mitarbeiter dürfen die Kantine im Finanzamt nutzen, ein dreiminütiger Fußweg, im Regen dennoch eher nervig oder?

Ein Vorschlag vom Joycenter.net wurde immerhin umgesetzt: Im Eingangsbereich steht ein Kopierer für Kunden bereit.