Ohne Kühlschrank leben? — Mal sehen.

Gestern war es so weit. Ich habe meinen alten Designer-Bosch-Kühlschrank in den Hausflur gestellt. Und noch bevor ich einen Zettel mit „Zu Verschenken” daran machen konnte, kam schon ein Nachbar und freute sich. Bei seinem käme unten Wasser raus (Erstausstattung Hartz 4, Sozialkaufhaus), meinte er und freute sich über mein gutes altes Stück, mit Energieklasse A vor 15 Jahren oder so mal „Energiesparende Spitzentechnologie”.

Im letzten Sommer, genau während der paar richtig heissen Tage, habe ich schon mal angetestet ohne Kühlschrank zu leben. Das ging erstaunlich gut. Dann aber hatte ich in der METRO ein Rinderfilet gekauft; das musste nun ja (nach jeder Entnahme immer wieder gut vakuumverschweisst) über vier und mehr Wochen gekühlt werden. Also wurde der Kühlschank wieder angeworfen und da ein Kühlschrank ja bekanntlich um so weniger Energie benötigt, je voller er ist, war er bald wieder voll, auch das Gefrierfach.

Gerade durch das Gefrierfach entstand nun wieder die alte Abhängigkeit, nicht nur vom Kühlschrank, sondern auch vom ununterbrochenen Stromfluss, von Stromkonzernen und ihren Politikermarionetten Versorgungssicherheit genannt.

Mein Ziel ist aber, Strom eher in ein „Genussmittel” zu überführen. Denn den Anspruch auf „Versorgungssicherheit” auf hohem Niveau halte ich für das größte Hindernis bei der Energiewende, jedenfalls bei meiner ganz persönlichen.

Sobald ich das Geld zusammen habe, werde ich mir eine kleine Photovoltaikanlage (ca. 100 Watt peak) für den Balkon zulegen . Die wird dann auf jeden Fall meine „Grundlast” an Strom erzeugen, nämlich die paar Watt für meine Fritzbox und mein iPad, d.h.: Telefon und Internet. Im Sommer dann dürfte die selbst erzeugte Energie reichen, um zusätzlich noch eine kleine Kühlbox damit zu betreiben.

Wie ich auf diesen „Quatsch” komme, willst du wissen? — Nun, ich schreibe eine gefühlte Ewigkeit an einem Artikel für Telepolis über die von der GroKo geplante Einführung von Prepaidzählern für Arme (statt Stromsperre). Ich komme dabei nicht wirklich weiter. Ich weiss inzwischen lediglich, dass Prepaidzähler, jedenfalls so, wie sie geplant sind, mehr im Interesse der Stromdealer (und der Jobcenter) sind, als in unserem.

Mich nervt total, wie die Konzerne und ihre politischen Marionetten grinsend unsere Abhängigkeit von ihrem Strom (den sie an den Börsen für wenige Cent einkaufen) ausnutzen. Deshalb will ich diese Abhängigkeit möglichst loswerden. Ich hab ja nichts gegen deren Strom, etwa aus Windkraft. Ich will ihn ja auch gern mal kaufen. Aber dann, wenn ich da Lust zu habe und nicht, weil ich wie ein Süchtiger an ihrer Nadel hänge.

Ich stelle mir das (gerade auch mit dem „Prepaid-Zähler) in etwa so vor, dass ich meine Freundin anrufe: „Du Schatz, wollen wir heute Abend nicht mal in die Sauna?” und sie antwortet: „Okay, dann bring ich mal 14 kW Strom mit…” Mit den Prepaidzählern wird das so wohl nichts werden, beim gegenwärtigen Regime in Berlin. Aber zumindest mental zum Beispiel einen Saunagang oder einen Kinoabend (mit 300W-Beamer statt 30Watt-TV) als bewussten „Stromkauf” zu tätigen, das will ich hinbekommen. Weg also vom dumpfen Sucht-Konsum ohne wirklichen Überblick.

Deshalb also habe ich mir eine Gaskochmulde (Flüssigggas) zugelegt und benutze meinen Induktionsherd nur noch in Ausnahmefällen. Und deshalb ist jetzt auch der Kühlschrank weg.

Übrigens, das weiss ich schon aus dem letzten Sommer, spare ich ohne (normal) großen Kühlschrank nicht nur Strom, sondern — so paradox das auch klingt — es verderben auch weniger Lebensmittel. Denn der Kühlschrank verführt einfach dazu: 1. beim Einkaufen nicht so genau auf die Menge zu achten und 2. dann alles irgendwie in diese Brummkiste zu stopfen, um dann spätestens beim turnusmäßigen Abtauen festzustellen, dass die Hälfte vom dem Zeug darin vergammelt ist.

Dennoch hoffe ich, dass ich dann im Sommer das Geld für eine 35l-Kompressor-Kühlbox beisammen habe. Denn natürlich mag auch ich lieber kaltes, als warmes Bier. Aber als Luxus, nicht als Abhängigkeit :-)