Zu alt? Für was?

Gerade wurde ich auf einen älteren TV-Beitrag über 50plus-Maßnahmen und Chancen von Alten am Arbeitsmarkt aufmerksam. Immer noch aktuell und sehenswert:

Ich erinnere mich gerade wieder an zwei Dinge, als ich Anfang 50 war. Zum einen kamen die Freunde meiner Kinder zu mir, wenn ihr Computer nicht lief. Es war ja meine Generation, die von Anfang an die Entwicklung vom „Homecomputer“ bis zum modernen PC mit verfolgt und gestaltet haben. In den ersten Jahren konnte man nicht einfach irgendein Programm starten, geschweige denn für alle möglichen Situationen schnell mal eine FAQ im Internet finden. Man musste ständig lernen. Dennoch hält sich bis heute die inzwischen unwahre Meinung vom „jugendlichen Hacker“, der ein Genie am PC ist. Dann erhielt ich Werbung von meiner Videothek: falls ich dort einen DVD-Player kaufe, würde man ihn bei Kunden älter als 50 kostenlos zuhause einrichten. Damals musste ich lachen, fühlte mich aber auch diskriminiert.

Bei meinem letzte Job wurde ich während des Vorstellungsgesprächs sehr kritisch gefragt, ob ich denn wohl mit einer SAP-Datenbank arbeiten könne. Ich verneinte zunächst, bis sich herausstellte, dass damit nur gemeint war, eine SAP-Anwendung zu bedienen. Nach wenigen Wochen kamen die KollegInnen zu mir und fragten, wie dies oder jenes an diesem SAP-Quatsch denn funktioniere. Ja. Es war wirklich teurer Quatsch, den die Firma da eingekauft hatte. Denn meine von mir selbst entwickelte Datenbank zuhause, für das Joycenter.net, leistete wesentlich mehr. In vielleicht einem Monat hätte ich dem Arbeitgeber so eine Datenbank zusammenstricken können, die ebenfalls sehr viel besser für den konkreten Bedarf dort funktioniert hätte, als diese eilig zusammengeschusterte SAP-Lösung.

Und ich bin kein IT-Experte, sondern Sozialpädagoge. Das Entscheidende aber: ich bin hier keine Ausnahme.
Vor vielleicht zwanzig Jahren waren Leute über 50 oft wirklich etwas der Entwicklung hinterher. Heute ist es nach meiner Beobachtung oft umgekehrt. Als neulich unser DSL nicht richtig funktionierte und ein fast 60 jähriger Techniker von der Telekom kam, war ich schnell sehr zuversichtlich. Der Mann wusste ganz offensichtlich genau, was er tat. Im Fernsehen lief die Tage ein Bericht von alten Elektrikern (natürlich arbeitslos), die kostenlos Waschmaschinen reparierten. Einer von ihnen liess sich die Geräusche der Maschine am Telefon vorspielen und konnte daran schon erkennen, ob sich eine Reparatur noch lohnt. Solche! Leute sind doch Gold wert? Nein. Sind sie nicht, sie sind arbeitslos.