Einfach ist auch einfach sicherer.

Meine regelmäßigen Leser wissen, dass ich Minimalist bin, also einen einfachen, (das meint nicht unbedingt einen billigen) Lebensstil schön finde. Heute möchte ich am Beispiel eines Stromprüfers zeigen, dass Einfachheit oft auch für Sicherheit steht.

Mein Vater war ein Handwerker von der Sorte, die sich an alles heranwagten (und auch alles hinbekamen) — außer an Strom. Ging es um mehr, als eine Lampe anzuschließen, kam mein Onkel Günter, der Elektriker. Und schon in den 50ern hatte er immer so ein merkwürdiges Teil dabei mit Spitzen dran, die er in die Steckdose steckte. Das war ein Duspol.

Noch heute ist ein Duspol im Werkzeugkoffers von fast jedem Elektriker. Wie kommt das?

Die meisten Heimwerker haben zuhause einen kleinen Stromprüfer-Schraubenzieher. Steckt man den in das richtige Loch der Steckdose oder der Lüsterklemme, wenn man eine Lampe anschließen will, dann leuchtet dieser Schraubenzieher, von Elektrikern mit gutem Grund verächtlich Lügenstift genannt.

So wie Hartz 4 vorgaukelt, dass alle Menschen in Deutschland sicher vor Hunger und Obdachlosigkeit sind, so gaukelt auch dieser Lügenstift eine nur vermeintliche Sicherheit vor. So ein Stromprüferschraubenziehr ist zwar einfach, aber zu einfach. Ich glaube, es war Einstein, der mal gesagt hat, man solle alles so einfach wie möglich machen, aber nicht noch einfacher.

So ein einfacher (Original) Duspol kostet — wiederum in der einfachsten (und das ist für uns hier besten) Ausführung knapp 50 Euro. Dagegen kostet ein Multimeter aus dem Aldi vielleicht 10 Euro und kann viel mehr. Doch genau dieses „Mehr“ an Möglichkeiten macht so ein tolles Ding für den Umgang mit lebensgefährlichen Strom zum Sicherheitsrisiko.

Wer nicht hören will muss fühlen

Ich selbst wollte ja nicht (zum Beispiel auf meinen Onkel, dem Elektriker) hören und versuchte vor vielen Jahren, einen Elektroherd mit so einem Tausendsassa-Multimeter anzuschließen. Es hat mich voll erwischt. Warum? Zwar hatte ich im ersten Anlauf die drei (eigentlich gibt es fünf, aber die letzten 2 betreffen nur Profis) Sicherheitsregeln beachtet: 1. Sicherungen raus, 2. aufpassen, dass sie keiner wieder einschaltet, und 3. noch mal nachprüfen, dass wirklich kein Strom anliegt.
Doch um dann sicher zu sein, dass man wirklich die richtigen Drähte anschließt, muss man ja dann doch die Sicherungen wieder reinmachen und nachmessen, unter Umständen, je nach Situation geht dieses Spiel mehrfach hintereinander. So hatte ich also irgendwann vergessen, dass die Sicherungen gerade drin waren. (siehe Regel Nr. 2 und Nr. 3) Hätte ich einen Duspol um den Hals hängen gehabt, hätte ich es mir zur Angewohnheit gemacht (wie heute und wie die meisten Elektriker) vor jedem Berühren vom blanken Draht noch mal in einem Sekundenbruchteil die Spannungsfreiheit festzustellen,. Aber nun extra andauernd wieder dieses Multimeter regelrecht „in Betrieb nehmen“, war mir — unbewusst — wohl zu aufwändig und so passierte es, glücklicherweise kam ich mit dem Schreck davon.

Warum erzähle ich das auf einer Hartz4-Beratungs-Plattform?

Nun, die Jobcenter machen es sich regelmäßig auch zu einfach, wenn sie Betroffenen aufnötigen, gefälligst ihren Umzug mit einem Mietfahrzeug und ein paar Kumpeln zu organisieren und dafür etwas „Biergeld“ springen lassen (wenn überhaupt). Spätestens wenn es dann darum geht, den Herd anzuschließen, holen die Leute dann meist ihren Stromprüferschraubenzieher hervor und begeben sich damit in Lebensgefahr.

Ehrlich? Ich bin ja ein Befürworter von Bedingungslosem Grundeinkommen. Da gäbe es dann (Prinzip Einfachheit) auch keinen zusätzlich finanzierten Umzug. Und da würden dann auch sicher viele Leute (so wie heute Kleinverdiener oder Studenten ja auch) die Kosten für den Elektriker einsparen. Dennoch: noch gibt es Hartz 4 und mindestens wenn das Amt euren Umzug als notwendig eingestuft hat, dann habt ihr auch einen Anspruch auf eine vom Jobcenter finanzierte Elektrofachkraft.

Falls der ein oder andere es aber doch selbst machen will, dann geht an einen Duspol kaum ein Weg vorbei. So ein Ding hält ewig, gerade dieses einfache Modell, das ohne Batterien auskommt. Das könnt ihr noch euren Kindern vererben. Ich selbst schwöre übrigens tatsächlich auf einen Stromprüfer der Marke Duspol und zwar den „Analog“. Aber „Duspol“ nennen Elektriker auch ähnliche Prüfer anderer Firmen, wie zum Beispiel den „Testboy“. Duspol ist eben das Original und meiner Meinung nach immer noch der beste Duspol unter allen Duspolen…

Jetzt könnte ich noch erklären, wie man als Laie einen Herd anschließt. Aber zum „möglichst einfach machen“ gehört auch, das Rad nicht neu zu erfinden. Es gibt bereits eine nette Seite, auf der das gut erklärt1 wird. Sie heisst sinnigerweise: Herdanschließen.de

  1. Wobei mir gerade auffällt, dass eine wichtige Regel nicht erklärt wird: beim Anschluss an die Dose sollte (trotz Zugentlastung) das gelb-grüne Kabel (PE, „Erde“) etwas länger sein, als alle anderen damit es, falls man etwa beim gründlichen Reinigen den E-Herd etwas grob von der Wand abzieht und dabei auch die Leitung abreisst, die Schutzleitung (PE, „Erde“) zuletzt abreisst. []