Über Mich

Naja. Vor kurzem noch wollte ich — einem Expertenrat über „Aufmerksamkeitsökonomie“ folgend — nur noch über Minimalismus schreiben. Vor allem wollte ich nicht (mehr) meckern. Über Jobcenter, über Hartz 4 über irgendwas. Das Meckern konnte ich nicht lassen. Scheiss drauf. Und nun wollen in letzter Zeit Leute was über mich wissen. Warum mache ich das, warum habe ich eine so komische Einstellung und so weiter. Nun gut. Also auch das, wenn ihr es wollt, etwas narzistische Inkontinenz oder so: Über Mich.

Ich war zwischendurch ja erfolgreicher Unternehmer. Und wie könnte einer von euch mir trauen, wenn ich nicht mal mir selbst treu bliebe? Sollte ich nicht dich auch schnell verraten, wenn ich meine eigenen Einstellungen verrate, nur, weil ich jetzt das Geld im Monat habe, was ich einst an einem halben Tag ausgab? Damals war ich gegen den Staat. Nicht nur, aber auch, weil dieses Monster mir meine Erträge raubte. Damals wusste ich, dass wer (in meinem Gesichtsfeld) arbeiten will, auch Arbeit findet, notfalls bei mir. Wenn mich jemand auf der Straße anquatschte: „Haste mal ne Mark“, dann antwortete ich: „Suchste Arbeit? Dann findest du die bei mir.“ — Hat nie geklappt, übrigens.

Es gab also damals Leute, die wollten von (auch) meiner Arbeit leben aber mir nichts zurückgeben, Sozialhilfe kassieren, aber nicht nur ausschlafen (wofür ich Verständnis gehabt hätte), sondern gar nix tun, nix außern fernsehen oder so.

Ich dagegen hatte ja gelernt: GEBEN ist die Einleitung zum Gewinn. Man nennt das meist „Investieren“, aber der Begriff „Geben“ ist viel deutlicher. Denn „Investieren“ meinte ursprünglich so viel wie „bekleiden“ oder „ausstatten“. Ich kleide sozusagen ein Projekt ein, damit etwas zurückkommt. Wie viel zurückkommt, messe ich mit der Kennzahl ROI (Return On Investment). Aber das ist ja ein Irrtum. Ein falscher Ansatz. Bestenfalls ein Check im Nachhinein. Geben ist deutlich: etwas loslassen, etwas tun — ohne dabei auf ROI zu hoffen.

Nun also mache ich das immer noch so. Ich sage: Leute GEBT! Und ich gebe selbst auch. Ich frage nicht, was zurückkommt. Und ich rate das auch allen, die es von mir hören wollen (oder sollten mMn)

Geheimnis des Gebens? — Es muss frei erfolgen ohne Hintergedanken und ohne Druck. Deshalb funktioniert dieser Hartz 4- Quatsch nicht. Er setzt auf Zwang, auf „Zumutbarkeit“. Dabei wusste schon Aristoteles, dass man von Sklaven nicht viel erwarten kann.

„Wer nicht isst, der kann auch nicht geben“ müsste dieser berühmte Satz (ihr wisst schon) eigentlich heissen.

Also esst was, Leute, notfalls klaut, was ihr unbedingt benötigt. Ich sage euch aber auch, dass ich seit Monaten von weniger als 100 EUR im Monat lebe. Klaut also nicht zu viel, sage ich. Sonst vergesst ihr mir noch das Geben!

Ich jedenfalls, ich liebe dich, du Dieb oder besser noch, du Räuber.

Das habe ich als Unternehmer auch schon zu meinen Freunden gesagt.

Das bin ich. Immer noch, genau wie damals.