Du bist ein Verkäufer. Nein? – Doch! Die Frage ist nur: Wie gut bist Du darin?

Max Weber zeigte uns bereits Anfang des 20. Jahrhunderts unter anderem den Unterschied zwischen traditionellen und kapitalistischen Gesellschaften. Hätten wir ihn verstanden, dann würde „Verkaufen“ in den Schulen noch vor Lesen und Schreiben unterrichtet. Denn die einfachste (und wesentliche) Unterscheidung zwischen traditionellen und kapitalistischen Gesellschaften ist die, dass in traditionellen Gesellschaften Gehorsam belohnt wird, während es in kapitalistischen Gesellschaften viel mehr auf die Fähigkeit ankommt, verkaufen zu können. Bevor ich gleich einen neuen Verkaufs-„Trick“ vorstelle, will ich das kurz erklären:

Früher (in traditionellen Gesellschaften) wusste man, was richtig ist. Richtig war das, was die Väter gemacht haben. Wir lernten als Kinder also von unseren Vätern, wie man Brot bäckt und von unseren Müttern, wie man Kinder richtig erzieht. In der kapitalistischen Gesellschaft aber konkurrieren verschiedene Wahrheiten miteinander. Recht hat im Kapitalismus nicht, wer etwas so macht, wie man es schon immer gemacht hat, sondern, wer mit seinem Handeln am erfolgreichsten ist. Daraus folgt aber auch, dass wir anderen Menschen nicht mehr einfach sagen können, was sie tun sollen, wir müssen sie überzeugen. Und dieses Überzeugen ist im weitesten Sinn eben: Verkaufen. Die Eltern können (dürfen) nicht mehr mit Gewalt ihre Kinder zum „richtigen“ Verhalten zwingen, sondern sie sollen ihnen das (ihrer Ansicht nach) richtige Verhalten „verkaufen“. Auch der Unternehmer muss seine Mitarbeiter für seinen Weg gewinnen, er kann nicht einfach diktieren, was sie tun sollen, wenn er erfolgreich sein will. Nur Monopolisten (zB. Behörden, wie das Jobcenter), können einfach von Oben irgendwelche Richtlinien aufstellen und wenn die Sachbearbeiter („Kinder“) fragen: „Warum muss ich das so machen“ schlicht antworten: „Weil ich das so sage“. Müssten solche Behörden mit freien Anbietern konkurrieren, würden sie schnell von der Bildfläche verschwinden. Käme es (z.B. in Jobcentern) auf Kunden-Zufriedenheit wirklich an, hätten wir dort die Mitarbeiter in der Mehrheit, die dort jetzt (leider) in der Minderheit sind, nämlich Mitarbeiter, die verkaufen können.

Ob du nun aber beim Jobcenter oder beim Sozialgericht (zum Beispiel) etwas erreichst oder nicht, hängt zunehmend (leider) von deiner Fähigkeit ab, verkaufen zu können und immer weniger (leider) von dem Recht. Denn (die Erfahrung musste ich in den letzten Monaaten mit Anwälten, Richtern, dem Jugendamt und natürlich immer wieder dem Jobcenter machen) das geschriebene Recht interessiert leider immer weniger. Ja, Richter, Sozialpädagogen, Sachbearbeiter im Jobcenter usw. kennen oft das geschriebene Recht gar nicht mehr. Sie handeln einfach irgendwie, so wie sie es für richtig halten. Selbst der (ehemalige) Rechtsstaat also hat sich dem Kapitalismus gebeugt, in dem es eben aufs Verkaufen mehr ankommt, als aufs Wissen des (vermeintlich) Richtigem oder Rechtem.

Okay. Da hätte ich ein Buch draus machen können, statt einer Einleitung zum Folgenden:

Willst du gut verkaufen? Dann hat man dir bisher in einer Unmenge an Verkaufsliteratur erzählt, dass du dich mit Sätzen darauf vorereiten sollst, etwa: „Ich schaffe das!“ oder „Es wird jetzt alles immer besser“ oder „Ja, ich kann das. Ich werde mein Ziel heute erreichen) usw.

Eine neue Methode, die ich euch kurz vorstellen möchte, schlägt vor, sich von solchen Sprüchen, die einem Mut machen sollen, zu verabschieden. Statt etwas zu behaupten (z.B.: ich bin gut!) ist es nach dieser Methode (die angeblich auch empirisch getestet ist) erfolgsversprechender, sich etwas zu fragen, z.B.: „Bin ich gut genug? Habe ich alles bedacht?“ oder „wenn etwas schief geht, wie ist mein Plan B?“ oder „Habe ich alles mögliche getan, damit ab jetzt alles immer besser wird in meinem Leben?“ usw.

Okay. Ich habe keine Zeit, da viel mehr zu zu schreiben. Denn im Moment ist mal wieder der Teufel los; so viele Leute wollen beraten werden. Und dann ist da noch eine Familie, der das Aachener Jugendamt die Kinder klauen will und die mir vertrauen, dass ich das verhindern kann. Warum trauen die mir? Wahrscheinlich, weil sie mich irgendwie (mehr unbewusst) für ein Verkaufstalent halten.

Und damit ich für sie erfolgreich sein kann, muss ich (mir selbst) die richtigen Fragen stellen. Und die richtige Antwort auf meine Fragen erfordern Zeit, viel Zeit.

Aber mir war es wichtig, mich auch mal wieder hier zu melden, Danke fürs Lesen.