Könntest Du 1 Woche auf’s morgentliche Zähneputzen verzichten?

Glaubt man den verschiedenen Studien, etwa hier zusammengefasst in der berühmten Rentner-Bravo, dann putzen sich die Deutschen die Zähne eh meistens falsch und es bringt nicht viel. Was würde da wohl passieren, wenn du mal eine Woche auf diese Routine verzichten würdest?

Ich würde mich nicht wohl fühlen mit ungeputzen Zähnen aus dem Haus zu gehen

Das haben mir die meisten geantwortet, wenn ich ihnen diesen Vorschlag gemacht habe. Ich auch nicht und zugegeben: er ist nicht ganz ernst gemeint. Ich schlage das immer dann vor, wenn mir Leute sagen, dass sie morgens keine Zeit für eine Routine haben, die ebenfalls nur fünf Minuten dauert und die – davon bin ich aber nun wirklich überzeugt – mindestens genau so wichtig ist, wie Zähneputzen.

Bedanke dich eine Woche lang jeden Morgen 5 Minuten und du wirst dich wundern, was alles passiert

Es ist zunächst ein komisches Gefühl, einen Satz zu sprechen, der damit anfängt: „Ich bin so dankbar, dass…” und den du dann eben mit dem füllst, für das du dankbar bist.

Als ich damit begonnen hatte, war mein erster Gedanke: „Wofür soll ich denn schon dankbar sein?” Ich hatte gerade einen Prozess vor dem Landessozialgericht verloren, auf mehrere Bewerbungen (wie so oft) überhaupt keine Antwort erhalten und es regnete. „So ein Quatsch” dachte ich und füllte den ersten Satz mit „… ich einen scharfen Sparschäler habe.” Den hatte ich mir nämlich gerade gekauft. Mehr viel mir nicht ein.
Ich lief durch meine neu bezogene kleine Wohnung. Mein Blick fiel auf den Kühlschrank, den ich von der Vormieterin geschenkt bekommen hatte. „Ich bin so dankbar, dass ich einen funktionierenden Kühlschrank habe“, war mein zweiter Satz. — „Wie soll ich fünf Minuten vollbekommen, wenn ich doch nichts habe, für das ich wirklich dankbar sein kann” kam mir wieder in den Sinn. Da viel mein Blick auf meine Kompressor-Eismaschine, für die ich doch so lange gespart hatte. „Komisch” dachte ich. Warum bedanke ich mich für einen billigen Sparschäler, aber nicht für diese tolle Eismaschine?

Die Antwort ist: weil ich sie schon länger besaß, weil sie einfach selbstverständlich war. So selbstverständlich, wie, dass ich gesund war, dass ich eine nette Freundin hatte, mit der ich noch am Abend vorher guten Sex hatte, dass ich einen Balkon mit einem tollen Ausblick hatte, dass ich gut geschlafen hatte, usw. usw. Auf einmal schwallte es nur so aus mir heraus, die fünf Minuten waren um und ich wollte gar nicht mehr aufhören.

Ich ging dann einkaufen, zum Norma-Markt um die Ecke und ich strahlte übers ganze Gesicht. Dort arbeitete diese attraktive Kassiererin, eine Studentin. Sie lächelte mich an und wünschte mir auf eine Weise einen Schönen Tag, dass ich es ihr als echt abnahm. Da fiel mir ein, dass im Schaufenster doch ein Plakat hing: „400-Euro-Kraft gesucht”. Ohne groß zu überlegen, sprach ich die Studentin auf diese Stelle an, sie rief den Filalleiter und eine Woche später saß ich selbst an der Kasse und hatte Spaß dabei. Zwei Monate später hatte ich einen Job als Sozialpädagoge. So muss es nicht gehen, aber so kann es gehen.

Ich versichere dir: Wenn du das mal eine Woche jeden Morgen machst, wirst auch du merken, dass diese Routine kein Quatsch ist, sondern ganz deutliche Verbesserungen in deinen Alltag bringt.

Allein: Diese Veränderungen halten nicht an. Das ist ein sehr häufiger Irrtum und Leute hören nach ein paar Tagen mit dieser Routine oft wieder auf. Es geht ihnen gut und sie denken, das bleibt dann auch so. Doch ob du nun das Beispiel mit dem Zähneputzen nimmst oder dir eine Batterie vorstellst, die du aufgeladen hast: Du musst dir schon jeden Morgen diese fünf Minuten Zeit nehmen, wenn du auf Dauer ein schöneres Leben haben möchtest. Möchtest du das? Ist dir das täglich fünf Minuten wert? Worauf wartest du dann noch?