40 oder 4 Euro: Duschkosten sind echt der Hammer

Obwohl einst Gründungsmitglied der GRÜNEN nerven mich die Energiespartipps von Stromversorgern (ausgerechnet von denen!), Stiftung Warentest und Co. schon seit Jahren. Denn hier scheint es immer wieder vor allem um Eines zu gehen: sich neue, noch energiesparendere Geräte zu kaufen. Mein inzwischen auch schon wieder 15 Jahre alter Kühlschrank etwa galt damals als besonders energieeffizient. Heute habe ich fast schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich ihn nur anschaue. Als sich 2007 das Verbot der Glühlampe ankündigte, war wiederum die Verquickung von Konzernen und Politik allzu deutlich und ich schrieb ein Manifest für den Erhalt der Glühbirne bei Telepolis: meist wütende Leserbriefe von „Ökos” waren die Folge. Nur wenige Experten gaben mir damals schon Recht und verwiesen zum Beispiel auf den Quecksilbergehalt der Energiesparlampen und darauf, dass der Wärme-Gewinn durch die Glühbirne, der zumindest im Winter ja die Heizkosten reduziert, in die Berechnungen der Industrie nicht einfließen würde.

Die Propagandatricks, mit denen wir zum Kauf „energiesparender” neuer Geräte animiert werden sollen, bestehen etwa darin, dass statt der Geldeinsparung ein Prozentwert angegeben wird. Was sagt es aber aus, wenn ich mit einem neuen Sat-Empfänger 80% Strom spare, wie Stiftung Warentest propagiert?

Will zum Kaufen verführen: Stiftung Warentest

Oder wenn mit Zeiten getrickst wird, indem mir etwa versprochen wird, dass ich mit einem neuen energiesparenden Gerät 100 Euro spare – kleingedruckt hinzugefügt: in 15 Jahren?

Geschockt war ich aber, als ich vor kurzem die Stromrechnung meiner Eltern sah. Obwohl sie sich noch nie für Umweltschutz interessiert haben (zum Beispiel haben sie durchgesetzt, dass sämtlicher Müll nach wie vor in einer großen Restmülltonne landet, weil sie es nicht schön finden, wenn so viele Mülltonnen vor dem Haus rumstehen) und auch nicht bewusst Strom sparen (meine Mutter nutzt z.B. immer noch den Vorwaschgang ihrer uralten Miele-Waschmaschine), war ihre Stromrechnung viel kleiner, als unsere. Wie konnte das denn sein?

Die Duschkosten sind der Übeltäter

Nach einigem Rechnen und Recherchieren fand ich die Lösung. Der bei weitem größte Faktor unseres Stromverbrauchs sind nicht etwa die Stand-by-Kosten von Laptop und Co (Geräte, die meine Eltern nicht besitzen), sondern einfach dem geänderten Hygienebewusstsein geschuldet. Als Kind kannte ich das noch: am Samstag wurde der Boiler angeworfen und Vater, Mutter und Kind nahmen ein Bad. In der Woche aber wuschen wir uns in der Küche. Mit kaltem Wasser oder, im Winter, mit ein paar Liter warmen Wasser aus einem 5-Liter-Boiler.. In den 70ern dann setzte die Propaganda ein: Baden ist ja viel zu teuer! hieß es; beim Duschen spart man Energie. Also änderten wir Deutschen unser Hygieneverhalten und duschten, statt zu baden – dafür dann aber täglich…

Nun. Meine konservativen und über 80 Jahre alten Eltern haben diese Entwicklung nicht mitgemacht. Sie baden (oder Duschen) immer noch jeden Samstag und waschen sich ansonsten am Waschbecken. Einsparung pro Person: 40 Euro – im Monat! Und zwar im Verhältnis zum Duschverhalten meiner Freundin. Sie ist Altenpflegerin und bekommt langsam die berüchtigten Rückenprobleme. Da liebt sie es, 20 Minuten heißes Wasser über ihren Rücken laufen zu lassen. Das gönne ich ihr, kann es mir aber als Hartz4-Bezieher nicht leisten. Da wir keinen gemeinsamen Haushalt führen, haben wir uns deshalb nun darauf geeinigt, die Stromkosten (sowohl meine Eltern, als auch wir bekommen heißes Wasser aus einem elektrischen hydraulischen Durchlauferhitzer) nicht wie bisher jeder zu 50% zu tragen. Denn ich dusche nur jeden 2. Tag und dann auch nur ein bis zwei Minuten. So komme ich mit weniger als 4 Euro pro Monat aus, während meine Freundin allein für das ausgiebige Duschen zehn mal mehr benötigt: 40 Euro! Auch die Anschaffung eines modernen elektronischen Durchlauferhitzers würde daran nicht viel ändern, wie ich nach einem langen Gespräch mit einem Techniker von Stiebel-Eltron nun weiss. Denn man braucht nun einmal unveränderlich eine bestimmte Menge Energie, um Wasser zu erhitzen, Elektronik hin oder her. Nur ein Wechsel auf Gas würde wesentliche Kosteneinsparung ermöglichen, doch diese Option haben wir als Mieter ja nicht.

Dies ist vielleicht auch ein gutes Beispiel für den Irrsinn der „Zwangsehen”, also der Bedarfsgemeinschaften. Würde ich, wie vom Jobcenter unterstellt, mit meiner Freundin in einer Einstandsgemeinschaft leben, dann könnte sie sich ihr Duschvergnügen gegen ihre Rückenprobleme nicht mehr leisten. Sie würde dann, auch im wörtlichen Sinn, für lau arbeiten gehen – und das in einem der (lt. Merkel) härtesten Jobs der Welt, in der Altenpflege. Ehrensache, dass ich da selbstverständlich sofort wieder (auf Kosten des Steuerzahlers) eine Singlewohnung für mich anmiete, falls sich das Jobcenter Aachen (Widerspruchsverfahren läuft) nicht doch noch einsichtig zeigt.

Aber für alle von euch, die wie ich nicht unbedingt die tägliche ausgiebige Dusche benötigen: hier könnt ihr enorm Geld sparen! Übrigens auch beim täglichen Geschirr-Spülen. Glaubt nicht der Propaganda, etwa vom Ökostrom.net, dass eine Geschirrspülmaschine Strom spart. Auch hier habe ich nachgerechnet und bin zum Ergebnis gekommen, dass ein Ein-Personen-Haushalt 30% Energiekosten im Verhältnis zur Spülmaschine durch geschicktes Spülen mit der Hand einspart: kalt vor- und nachspülen; für das heiße Spülen nur eine kleine Menge in einer Spülschüssel oder einem Topf erhitzen, statt das große Spülbecken volllaufen zu lassen.