… und was machst du beruflich?

Vor dieser Frage fürchten sich viele Hartz4-Bezieher.

Es sei denn, sie sind so genannte Aufstocker. In diesem Fall nämlich verschweigen sie gern, dass sie von ihrem Geschäft oder ihrer Arbeit allein nicht leben können und zusätzlich noch Grundsicherung in Anspruch nehmen. Das ist verständlich und eine gute Strategie, sich gegen die Hetze zu schützen, die gegen Erwerbslose täglich verbreitet wird. Übernehme diese Strategie und fürchte dich nie wieder vor der Frage, was du beruflich machst.

Mein Freund hat einen Bauernhof geerbt und Jahrzehnte als Milchbauer bewirtschaftet. Hat man ihn gefragt, was er denn beruflich macht, so hat er sicher nicht geantwortet, dass er hauptsächlich von Subventionen lebt, obwohl dies der Wahrheit entsprach. Diese wurden dann so geändert, dass sich Milchwirtschaft (subventionierte, wohlgemerkt) heute nur noch für Großbetriebe lohnt. Mein Freund hat umgesattelt. Er lebt jetzt nicht mehr von Subventionen, sondern betreibt einen Pferdestall.

Und was machst du beruflich?

Ich erinnere mich noch an eine Szene aus einem britischen Film, den ich vor Jahrzehnten gesehen habe. Der Titel ist mir entfallen, auch die Geschichte. Ich weiss nur noch, dass erwerbslose junge Männer eine Band gegründet hatten und zusammen Musik machten. Einer der Charaktere sagte dann: „Es ist doch viel cooler, ein arbeitsloser Musiker zu sein, als ein arbeitsloser Maurer”.

Mein Vorschlag an dich: suche dir einen Beruf, der dir gefällt und: übe ihn aus! — bevor du einen „Job” suchst und grübelst, wie du deine „Lücken” im Lebenslauf geschickt verbirgst. Hier ein paar Tipps:

Werde Privatdetektiv. Cool oder? Kostet dich ein paar Euro, das als Gewerbe anzumelden.
Oder werde Immobilienmakler. (Ich bin übrigens einer). Kosten wie beim Privatdetektiv.

Du hast ein kleines Kind? Wie wäre es dann mit Hausmann oder Hausfrau?

Beliebt ist auch Webdesigner. Oder bei jungen Männern: Rapper.

Bitte verstehe mich nicht falsch. Ich empfehle dir nicht, irgendeinen Beruf nur auf dem Papier zu ergreifen. Ich empfehle dir etwas ganz anderes. Frage dich: Was sind meine Interessen? und was könnten andere davon haben?

Ich bin Sozialarbeiter, ich betreibe eine Erwerbsloseninitiative und einen Blog, der hauptsächlich Gutes Leben und Minimalismus als Thema hat. Dafür arbeite ich täglich mindestens 4 Stunden, meistens mehr. Ich mache das nicht (nur) für mich.

In diesem Sinne also:

Such dir einen Job. Und mache ihn gut. So kann Erwerbslosigkeit Spaß machen. Und: vielleicht verdienst du ja dann auch eines Tages Geld damit und kommst ohne Subventionen aus, so wie mein Freund, der ehemalige Milchbauer?