Ziel Politikverdrossenheit? Wie Bertelsmann die Piratenpartei platt macht

»ich wehre mich dagegen, dass unter dem Vorwand, Urheberrecht und geistiges Eigentum schützen zu wollen, die Freiheit des Internets zerstört wird.« schreibt die Piratin Julia Schramm in ihrem Buch: Klick mich. Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin. Kurz nach Erscheinen dieses Buches hat sie dann unter Androhung rechtlicher Schritte erwirkt, dass fast alle kostenlosen PDF-Versionen, die jemand (vielleicht der Verlag selbst) im Internet verbreitet hatte, gelöscht wurden. Nur diese eine fand ich noch und konnte daher obiges Zitat bringen ohne dieses narzistische Geseiere kaufen zu müssen. Ja. Das Buch ist grottenschlecht. Auch bei Amazon geben von 48 Kommentaren 39 Leser die schlechtest mögliche Bewertung ab (heute, am 20.9.2012). Ist ja eigentlich nicht weiter schlimm. Es gibt viele schechte Bücher.

Bemerkenswert ist allerdings, dass das Buch beim Knaus-Verlag, einer Bertelsmanntochter (von Schramm als „Contentmafia” bezeichnet) erschienen ist und dass der Verlag der Autorin 100.000 EUR Vorschuss gezahlt haben soll.

Jetzt berichten die Mainstreammedien genüsslich über die Widersprüche bei den Piraten, nachdem gerade erst die Verhöhnung des Geschäftsführers Ponader etwas abgeklungen ist. Der Effekt bei den Meisten kann nur sein: „Die Politiker sind eh alle gleich”. Im Detail wissen selbstverständlich die Dunkelmänner der Bertelsmannverschwörer besser, als wir alle, wie sich die Verunglimpfung der Piraten, die doch gerade erst von den gleichen Mainstreammedien als scheinbare Alternative zu den „etablierten Parteien” hochgepusht wurden, genau auf das Wahlverhalten und also auf die politischen Verhältnisse nach der Bundestagswahl 2013 auswirken wird. Allgemein dürfte aber zumindest ein Ziel anvisiert sein: das Gefühl der Alternativlosigkeit und damit Hoffnungslosigkeit: ein schwacher Staat, „regiert” von einer großen Koalition ehemaliger Volksparteien.