Berliner Joboffensive Top oder Flop

In den letzten Monaten sei es den Berliner Jobcentern gelungen, mehr als 30.000 Hartz-IV-Empfänger in feste Stellen zu vermitteln. Der Modellversuch nennt sich Berliner Joboffensive. Doch was steckt dahinter?
Auf zwei Jahre ist sie angelegt, von Juni 2011 bis Juni 2013, die Berliner Joboffensive. 48 Mio. Euro verschlingt die Aktion. Das Geld fließt hauptsächlich in Personalkosten: 350 zusätzliche Arbeitsvermittler wurden in den zwölf Berliner Jobcentern eingestellt. Insgesamt sind dort nun 650 Arbeitsvermittler tätig.

Erfolgsmeldungen auf der einen Seite…

Die Joboffensive kümmere sich um so genannte „marktnahe“ Hartz IV-Empfänger, erklärt die Arbeitsagentur. Und stolz verkündet sie, von Juni 2011 bis Februar 2012 seien schon über 33.000 Kunden in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt worden.

Was das im Einzelnen für Jobs sind, kann oder will die Arbeitsagentur nicht sagen. Darüber würde keine Statistik geführt, heißt es.

…Kritik von der anderen Seite

Kritik kommt hauptsächlich aus der Wirtschaft. Dort fragt man sich, warum die Jobcenter bei boomender Konjunktur zusätzliches Vermittlungspersonal benötigen. Zumal „marktnahe“ Arbeitslose sowieso in den Unternehmen gefragt seien, besonders Fachkräfte.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat herausgefunden, dass ein Drittel der in Berlin neu entstehenden Stellen Zeitarbeit sind. Hartz-IV-Empfänger in Leasingfirmen zu vermitteln, sei keine Herausforderung an die Jobcenter, so das DIW.

Dazu brauche man kein zusätzliches Personal. Ebenso wenig für die Vermittlung von Fachkräften, da die Firmen solche Personen händeringend suchen würden.

Das DIW rechnet zudem vor, dass die 300 schon vor der Joboffensive in den Jobcentern tätigen Arbeitsvermittler im Zeitraum von Juni 2011 bis Februar 2012 mehr als 24.000 Hartz-IV-Empfänger hätten vermitteln müssen. So laute die Vorgabe der Arbeitsagentur.

Demnach hätten die 350 zusätzlich eingestellten Vermittler nur 8.700 Hartz IV-Leute in Arbeit gebracht. Im gleichen Zeitraum gab es in Berlin aber 17.000 offene Stellen mehr als im Jahr zuvor. Das DIW kommt zu dem Schluss, dass rein rechnerisch jeder Arbeitsvermittler pro Woche 1,5 Personen vermittelt habe. Das sei angesichts der guten Arbeitsmarktlage viel zu wenig.

Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, dass die politisch Verantwortlichen der Arbeitslosenindustrie eine Schlankheitskur verordnen.

Quelle: RBB-Online